• 7. Juli 2009
Vergangene Woche hatten wir hier im Bamberger Dom die Priesterweihe von zwei Mitbrüdern und waren am Sonntag zur Primiz eingeladen.Hier wird die Primiz, der erste Gottesdienst eines Neupriesters, praktisch vom ganzen Dorf gefeiert. In Drosendorf war fast jedes Haus mit gelb-weißen Fahnen geschmückt und alle Bewohner auf den Beinen. Der Primiziant wurde vom Haus der Familie mit einer Prozession, Blaskapelle und der Freiwilligen Feuerwehr abgeholt und unter Applaus und Musik zur Kirche begleitet.In unseren heimatlichen Diasporagebieten ist sowas natürlich nicht so üblich, so dass es für mich ein beeindruckendes Erlebnis bleiben wird. Der erste Gottesdienst war dann an manchen Stellen etwas chaotisch, was aber der Sache keinen Abbruch tat. Viele stellen sich vor, dass in der Priesterausbildung viel Jahre lang geübt wird, wie eine „richtige“ Messe gefeiert wird – doch die praktischen Übungen und das „Probezelebrieren“ mit Papierhostien und Traubensaft sind erst zwei Wochen vor der Weihe.



Nur noch gut drei Wochen, dann ist das Propädeutikum beendet. Wir stecken ungefähr in der Halbzeit des Hebräischunterrichts und können einzelne, sehr leichte Sätze bereits übersetzen. Insgesamt ist die Sprache aber wesentlich schwerer zu erlernen als Latein (oder Griechisch, wie mir meine Mitbrüder sagten). Die Wörter sind vom Schriftbild noch nicht so einprägsam wie unsere Wörter in lateinischen Buchstaben und so merkt man sich die Worte besonders durch den Klang. Diese Methode hat aber einen Nachteil, weil die Wortwurzeln nur aus Konsonanten besteht und das Wort durch die Vokale seine (grammatische) Bedeutung verändert. Dazu kommt noch, dass das Buch in erster Linie eine Grammatik und kein Lehrbuch ist. Kurzum: Es ist schwierig. Doch bin ich mir sicher, dass es letztenendes gelingen wird. Gerade heute las ich im Kalender folgende Gedanken von Ludwig Wolker, die ich sehr passend finde:
Es werden helle Tage kommen,
wo alles Licht ist in uns und Glut,
es werden trübe Tage kommen,
wo alles verhangen ist in Leid
und Nebel. Hindurch und voran!
Unser ist nicht, die Zeit zu lenken.
Unser ist nicht, Erfolg und Ende.
Das ist des Herrn.
Unser aber ist der Tag und der Anfang.
Und darin steht jeder auf sich allein und auf Gott.
So ist jeder Tag und jeder Anfang ein Gloria Dei.
Mit dieser Zuversicht gehe ich also in die letzten Wochen hier in Bamberg.
Ich freue mich schon sehr auf den Besuch von meinem Bruder und einer Familie aus meiner Heimatgemeinde in der nächsten Woche!