Bildungsfahrt nach Liegnitz

  • 31. Oktober 2009

Am vergangenen Wochenende haben wir das Bistum Liegnitz besucht. Unsere neuen Schwestern, die aus diesem Bistum kommen (Stadt Luban), haben uns den Anlass gegeben, ihre Heimat kennen zu lernen.

Nach fünfstündiger Fahrt in unser Nachbarland Polen, sind wir kurz nach 18.00 Uhr im dortigen Priesterseminar angekommen und konnten noch zu Abend essen. Unseren Erwartungen entsprechend und gleichzeitig doch etwas fremd war der erste Eindruck: Nicht 15 oder 20 Seminaristen, wie in deutschen Seminaren üblich, sondern gute 60 junge Männer in schwarzer Soutane saßen im Speisesaal. Nach dem Abendbrot gab es die Möglichkeit eines ersten Kontaktes mit den polnischen Seminaristen, den wir auch angeregt nutzten. Viele (fast ungläubige) Fragen (wie z.B.: „Wo habt ihr eure Soutane gelassen?“, „Ihr habt mehr Freizeit als zwei Stunden am Tag?“, „Ihr habt aller vier Wochen eine freies Wochenende?“) durften wir beantworten. Trotz der ausgeprägten Disziplin und Strenge im dortigen Seminar, erlebten wir die Alumnen als sehr herzlich und freundlich. Wir haben erfahren, dass sie beispielsweise nur zwei Mal im Jahr nach Hause dürfen, nur ungefähr drei Mal in der Woche zwei Stunden Freizeit haben und in den ersten zwei Jahren weder Telefon noch Handy besitzen, Internet gar nicht. Die theologische Ausbildung erfolgt getrennt von den Laienstudenten (die mit der theologischen Ausbildung nur Lehrer werden können). Vergleicht man die Prozentzahl von Katholiken und Priesterberufungen ist keine so große Differenz zwischen den ostdeutschen Bistümern und Westpolen zu bemerken.
Am Freitagabend besuchte uns noch der Bischof von Liegnitz und hieß uns in seiner Diözese willkommen. Anschließend war gemeinsames Rosenkranzgebet und Anbetung, die sehr modern mit Textbetrachtung, Musik und Gebetsanliegen für die einzelnen Kontinente gestaltet wurden.
Am Samstag besichtigten wir die Dominsel in Breslau und schauten uns die Innenstadt an. In der Stadt steckt viel Potential und man kann hoffen, dass sie in den nächsten Jahren durch viel Restauration und Renovierung in einem neuen Glanz erscheinen wird. Am Nachmittag sind wir dann mehr oder weniger zufällig mitten in eine Demonstration von Homosexuellen gelandet, die von rechtsradikalen Gegnern beschimpft wurden. Jede Menge Polizei sicherte die durchaus geladene und gefährliche Situation der beiden Parteien vor dem Rathaus in Breslau.
Überrascht und fasziniert war für mich das Taizé-Gebet in der Seminarkapelle in Liegnitz. Die Alumnen haben eine hervorragende Schola, die auch die mehrstimmigen Gesänge grandios singen konnten. Bei Kerzenlicht und den bekannten Liedern aus Taize entstand eine ganz eigene Stimmung in der Kapelle.
Nach der letzten Nacht im Dreibettzimmer und der Dusche auf dem Gang starteten wir unsere Wallfahrt nach Grüssau. Dort feierten wir mit den Regenten beider Seminare unseren Gottesdienst und brachten unsere gestaltete Kerze vor das Wallfahrtsbild der Mutter Gottes. Auf der Rückfahrt in die Heimat besuchten wir das Mutterhaus unserer Hausschwestern in Luban. Die Magdalenerinnen betreuen dort ein Heim für Mädchen, die nicht zu Hause wohnen dürfen oder können. Besonders eindrücklich war die große Anzahl an jungen Novizinnen, die sich auf das Ordensleben einlassen wollen. Es ist besonders schön und hoffnungsvoll zu sehen, dass es nicht alle Orden „vom Aussterben bedroht“ sind.
Insgesamt ein interessantes, erlebnisreiches aber auch anstrengendes Wochenende.
Dieses Wochenende geht es etwas ruhiger zu – wir haben ein sog. Hauswochenende. Das bedeutet, dass außer Gebet und Mahlzeit Freizeit ist.
Ich nutze die Zeit um etwas auszuspannen und vlt. die eine oder andere Vorlesung nachzubereiten.
Auf das kommende freie Wochenende in der Heimat freue ich mich schon sehr.