Chemnitz

  • 14. November 2012

In der Zeit meiner Beurlaubung hat mir unser Diözesanadministrator empfohlen zur Berufungsklärung eine Ordensgemeinschaft zu suchen. Der Regens von Erfurt empfahl mir die Salesianer Don Boscos in Chemnitz, zu denen ich nun regelmäßig fahre. Mit gut drei Stunden Fahrtzeit ist Chemnitz nicht gerade ein Vorort von Erfurt, doch mit etwas zu Lesen und Vorfreude auf das Kommende, ist auch die Zugfahrt über Glauchau erträglich.

Die Salesianer betreiben in Chemnitz ein Don-Bosco-Jugendhaus, das für Kinder und Jugendliche der Stadt offen ist. Täglich kommen vor allem junge Menschen aus benachteiligten und schwierigen familiären Verhältnissen in das Haus im Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg. Im DBH – so wird das Haus kurz von den Jugendlichen genannt – gibt es zahlreiche Möglichkeiten die Freizeit sinnvoll zu verbringen. Mit Sportplatz, Werkstatt, Clubraum, Diskothek, Fitnessclub, Hobbyküche, Kino und Spielecke ist für Klein und Groß viel Abwechslung geboten. „Hier kann man besser abhängen als zu Hause“, erzählte mir eine Jugendliche auf die Frage, warum sie denn ins DBH komme. Pater Johannes Kaufmann, Leiter des Jugendhauses, erzählte, dass dieser Ort für viele Jugendliche wie ein zu Hause geworden ist. „Wir haben hier Jugendliche, die wir seit Kindesalter begleiten und die sich heute als junge Erwachsene selber in das Haus mit einbringen.“ Beeindruckend ist auch das Bild, das Don Bosco prägte und die Ordensbrüder bis heute für die Jugendlichen leben: „Vater, Bruder und Freund sein.“ An den Wochenenden begleite ich Pater Johannes auf seinen Wegen.
 Bis 21 Uhr ist der Jugendclub geöffnet und auch an einem Freitagabend ist das Haus nicht leer. Es ist Alltag, den die Jugendlichen hier verbringen. Es wird gegessen, die nächsten gemeinsamen Aktivitäten geplant, gespielt und sich über aktuelle Themen ausgetauscht. Auf dem Programm steht für den Abend: „Cocktail des Lebens“. Bei einem selbstgemixten Cocktail lässt es sich einfach besser über politische und gesellschaftliche Fragen sprechen. Doch schnell wendet sich das Blatt: „Was machst du eigentlich hier?“ wird mir die Frage gestellt… Das ganze endet in einem kleinen Hin- und Her von Fragen. Die Jugendlichen sind interessiert und ich versuche so gut es geht Rede und Antwort zu stehen.
Am Samstag ist großer Arbeitseinsatz: Es müssen neuen Steckdosen gelegt werden, dafür müssen Kabelschlitze geklopft werden. Aber auch das kann man lernen … # Zum Mittag geht es in das Ordenshaus nach Altchemnitz. Hier leben die acht Ordensbrüder zusammen im Konvent. Einige sind Priester und in der Pfarrseelsorge tätig, andere in den Werkstätten in Burgstädt als Ausbilder. Am Abend fahre ich noch nach Thum ins Erzgebirge, wo P. Heinz eine Aushilfe zugesagt hat. In Thum ist der Gottesdienst in der Friedhofskapelle. Immerhin 20 ältere Damen und Herren haben sich zum Sonntagsvorabendgottesdienst getroffen. In der Aufbahrungshalle sind der einzige Schmuck zwei Glasfenster, die im Altarraum stehen und von hinten mit einem Scheinwerfer bestrahlt werden. Es ist die Erinnerung an den alten Gottesdienstraum, den die Christen von Thum verlassen mussten, weil der neue Hauseigentümer diese „elende Sekte“, wie er sie beschimpfte, nicht in seinem Haus haben wollte. Gleich anschließend geht es weiter mit der 11.11.-Fete der Dekanatsjugend Chemnitz. 
Dank meines Kopfkissenbezuges, dass ich schnell in eine Priatenkappe verwandelte, konnte ich halbwegs in das Piratenmotto eintauchen. Der Sonntag war vom Martinstag geprägt. Nach Familiengottesdienst und guten Gesprächen mit Gemeindemitgliedern, hat das DBH einen großen Stand und einen Mitmachzirkus auf dem Chemnitzer Opernplatz. Hier treffen sich die Kinder der Stadt zum Martinsspiel und Laternenumzug. Während die Helfer und ich draußen mehr und mehr den Geruch der Bratwurst annahmen, die wir bei feinem Nieselregen für die Kinder grillten, konnten sich die Kinder in der Kirche die Geschichte des Heiligen Martin von Tours ansehen. Insgesamt ein erlebnissreiches und erfüllendes, aber auch anstregendes Wochenende …