Forschungsaufenthalt am Deutschen Liturgischen Institut

  • 17. Januar 2017

Eine Woche Forschungsaufenthalt im Deutschen Liturgischen Institut (DLI) geht zu Ende. Meterlange Regale, verschiebbare Magazinreihen bis zur Decke, Protokollordner an Protokollordner – für eine Woche habe ich mich hier in Unterlagen vergraben. Auf der Suche nach Hinweisen zur Entwicklung von Sendungs- und Beauftragungsfeiern in ganz Deutschland durfte ich dank eines Mini-Stipendiums des DLI die Bibliothek und das Archiv des Instituts nutzen.

Hilfreich waren vor allem Akten zum Päpstlichen Schreiben „Ministeriam quaedam“ (MQ) von 1972. Damals hat der Papst die bis dahin existierenden „Niederen Weihen“, Vorstufen vor Diakonat, Priester- bzw. Bischofsweihe neugeordnet. Ab sofort wurde man mit der Diakonenweihe Kleriker, nicht schon vorher durch Akolythat und Lektorat. Die beiden Dienste und deren liturgische Einführung wurden aber Beibehalten, nicht mehr niedere Weihe, sondern als Laiendienste mit bischöflicher Beauftragung. Diese sollen nicht mehr Klerikern vorbehalten sein, sondern als echte Laiendienste etabliert werden. Priesterkandidaten sollen sich aber in diesen Diensten trotzdem bewähren.

Angedacht war, dass diese zwei weltweit existierenden Dienste ergänzt werden durch Dienste, die die Bischofskonferenzen der einzelnen Länder in Rom beantragen. Gedacht waren hier an Katecheten oder andere z.B. in der Mission wichtige Dienste. Hätte man in Deutschland nicht an Gemeinde- und Pastoralreferenten denken müssen? Es ist nichts dergleichen passiert. Es ist eine in den Literatur m.E. unzulänglich beantwortete Frage, warum dies nicht geschehen ist. Natürlich gibt es nach wie vor Kommunionhelfer und Lektoren, die sich aber nicht in der Kontinuität dieses päpstlichen Schreibens befinden, was als Defizit beschrieben werden kann. Hier hat sich eine zweite Schiene für diese Dienste gebildet: pragmatisch und mit bischöflicher Genehmigung.

Grund  dafür, dass Ministeriam quadam außer für Priesterkandidaten keine Relevanz im Alltag der Kirche hat, dürfte sein, dass MQ, obwohl es ausdrücklich als Laienämter und keine Vorstufen zum Weiheamt formuliert   e Dienste sind, aus Traditionsgründen nur Männer dazu zugelassen hat. Um in den Gemeinden zu keiner Zwei-Klassen-Gesellschaft zu kommen, hat man die Männer weiterhin zu Kommunionhelfern und nicht als Akolythen durch den Bischof beauftragt. Hat man diese Zweigleisigkeit versucht zu ändern? Wie haben sich die Bischöfe dazu verhalten? Warum hat man damals nicht versucht, für die Gemeinde- und Pastoralreferenten ein solches Dienstamt zu beantragen, so dass jede Diözese ihre eigenen Beauftragungsriten erstellen musste? Wie haben sich die Riten weiterentwickelt?

Mit diesen Fragen bin ich nach Trier gereist und einige dürften sich mir beantwortet haben. Aus den Unterlagen, Briefverkehr und Protokollen der IAG (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommissionen im deutschen Sprachgebiet) und anderer liturgischer Kommissionen konnte ich die Situation damals wesentlich besser nachvollziehen und Hintergründe verstehen.

Dank sei an dieser Stelle an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Liturgischen Institut gesagt, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen und mir bei der Recherche sehr unterstützt haben.

Untergekommen bin ich übrigens im Priesterseminar Trier, die zwar keine Seminaristen vor Ort haben (alle in Frankfurt), dafür einen Kaffeevollautomaten mit passenden biblischen Sprüchen.