Höher, immer höher

  • 22. September 2016

Schlafen im Bett? Kann jeder! Schlafen im Bus zu zehnt (es kamen noch 3 Freunde von Binh mit) auf vietnamesischen Straßen ist eine Herausforderung. Nach 6 Stunden und ca. 300 km intensiver Straßenerfahrung kamen wir um 04:30 Uhr in Ha Giang an. Während wir versuchten dort in einem Hotel noch 3 Stunden ordentlichen Schlaf zu bekommen, bellten Hunde und krähte der Hahn um die Wette.

Am Morgen weckte uns Dung liebevoll mit den Worten: „Wollt ihr zum Abendessen lieber Ziege oder Huhn essen?“ Die Antwort Claras (die nur den letzten Teil des Satzes vernommen hat) ließ nicht auf sich warten: „Aber nicht zum Frühstück!“ Der Blick aus dem Fenster lässt erahnen wo wir gelandet sind. Überall erstrecken sich hohe sattgrüne Berge.

Nachdem wir aufgestanden waren ging es in ein Restaurant zum Frühstück. Dort gab es je nach Appetit Pho oder Brötchen mit Spiegelei. Dazu gab es einen kleinen typischen Vietnamesischen Kräuterschnaps. Der Höhepunkt des Frühstücks stellte der anschließende Kaffe dar. Wer starken Kaffee mag wird ihn lieben. Gefühlt dreimal so stark wie Espresso gab er die nötige Energie für die anschließende Weiterfahrt.

Gestärkt vom Frühstück geht es nun richtig in die Berge. Von ca. 700 m auf ca. 1200 m zur Himmelspforte (ein Pass im Norden von Vietnam). Wer Serpentinen aus den Alpen kennt wird hier eine neue Dimension erfahren. Die engen Straßen winden sich die Berge hoch und während wir bisher von der guten Straßenqualität überrascht waren erlebten wir nun Schlaglöcher und Bodenwellen en masse.

Angekommen an der Himmelspforte erwartete uns eine wunderbare Aussicht über das Gebirge und lud zu schönen Fotos ein. Betrachten konnten wir nun erstmals die vielfältige Vegetation, die alle Arten von Grün bereithält. Schmetterlinge und Libellen in unterschiedlichen Farben gesellten sich zu uns.

Nach der schönen Aussicht ging es weiter Richtung Norden und Mittagessen. Auch hier begleiteten uns im Straßenrestaurant kleine Katzen. Nach einem reichhaltigen Mahl stiegen wir wieder in unseren Bus.

Wir fuhren in das Gebiet der ethnischen Minderheit der Hmong in ein Dorf  und stiegen mit gemischten Gefühlen aus. Es war uns unwohl dabei diese Menschen und ihre Wohnungen und Lebensrealitäten anzuschauen. Was löste dieser Besuch, das fotografiert werden für Gefühle bei den Menschen dort aus? Was verändern die Touristen mit solchen Besuchen in der Selbstwahrnehmung und dem Handeln der Menschen? Neben diesen Gedanken wurden wir Zeuge eines großen Kochakts, weil ein Bewohner des Dorfes gestorben war. Neben Schwein und Huhn musste auch ein Hund den Löffel abgegeben und wurde komplett flambiert. Mit vielen Gedanken ging es weiter für uns.

Nächstes Ziel: der alte Königspalast. Wir erreichten das Areal, welches mitten in einem Talkessel umringt von hohen Bergen liegt. Dieser unscheinbare Ort offenbarte sich als ein kleines, aber dennoch sehr traditionelles Kleinod. Der Palast war in drei Höfe geteilt und umfasste neben den Königsräumen und den seiner drei Frauen auch noch eine Kammer für den angebauten Mohn.

In Dong Van angekommen war es bereits dunkel. Damit haben wir die 135 km von Ha Giang in „nur“ 6 Stunden reine Fahrzeit bewältigt.  Im Anschluss an das Einchecken aßen wir ausgiebig und tranken auf die gemeinsame Fahrt.

Clara und Philippus