„Maria durch ein Dornwald ging“

  • 2. Dezember 2013

Bei der „Sommersoiree“ unser Fakultät in Erfurt hörte ich sie singen: vier junge Frauen, die mehrstimmig geistliche Lieder bspw. von Huub Oosterhuis gesungen haben. Da war mir klar: mit den Vieren muss ich mal ein Projekt bearbeiten. Vor dem Advent bot sich das an: vier geistliche Adventslieder zu den Adventssonntagen. Zusammen mit der Pressestelle des Bistums Dresden-Meißen habe ich dann das Projekt eingefädelt; das erste Ergebnis ist online.
Studenten aus Bistum kommentieren zu dem auch die Lieder und geben kurze Erklärungen sowie geistliche Impulse zu den Thematiken der Strophen.

Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt haben in diesem Advent das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ eingesungen und kommentiert.

Gesang: Theresia Härtel, Anna Reinhardt, Bettina Altmann unter der Leitung von Sarah Kotitschke; Satz: Wolfgang Gentner

Sicher belegt ist es erst 1850 in einer Sammlung geistlicher Lieder. Gut 200 Jahre zuvor finden sich unter einem anderen Lied allerdings schon der Vermerk, dass es „nach der Melodie Maria ging durch diesen Wald“ gesungen wird. Ursprünglich ein marianisches Wallfahrtslied aus dem Eichsfeld, ist es über die Grenzen Thüringens hinaus zu einem der populärsten Adventslieder geworden.

Ein Rosengarten im Winter: kahl und verdorrt. Grünes Blattwerk oder gar Blüten sind in dieser trostlosen Landschaft unvorstellbar. Und mitten hindurch läuft Maria. Es ist die Szene in der ersten Strophe des bekannten Liedes „Maria durch ein Dornwald ging“.

In der zweiten Strophe wird mit einer rhetorischen Frage herausgefordert: „Was trug Maria unter ihrem Herzen?“ Die Bedeutung des Herzens geht über ein beliebiges Organ hinaus. Es steht für das Lebenszentrum selbst. Und genau hier wird ihre Leibesfrucht verortet. Im Zentrum steht das, was einen besonderen Schutz bedarf – es ist ein „Herzensanliegen“.

Wunderliches schildert die dritte Strophe: Als Maria mit ihrem Sohn durch den Dornwald läuft, fangen die Rosen an zu blühen. In der Bibel sucht man ein Rosenwunder vergeblich. Aber mittelalterliche Legenden berichten von solchen Wundern, wie zum Beispiel bei der Hl. Elisabeth von Thüringen. Ganz biblisch (Lk 1,39) ist hingegen der Hintergrund des Liedes: der Weg der schwangeren Maria ins karge Bergland Judäas und der freudige Besuch bei ihrer Verwandten Elisabeth.

 Inständig, fast sehnsüchtig erklingt, wie beim antiken Einzug eines Königs, der alte Gruß „Kyrie eleison“, „Herr, erbarme dich“. Er drückt Erwartung aus.

 Erwartung und Hoffnung, ausgedrückt im wüsten Dornenwald, der in einen lebendigen Garten verwandelt wird, wenn Christus in diese Welt kommt. Er möchte uns verwandeln, unser Leben erblühen lassen. Es beginnt in dem Moment, in dem ich mich auf diese Hoffnung einlasse, Christus mein Leben anvertraue. Maria hat sich darauf eingelassen und wird im Lied als eine Frau geschildert, die Christus „unter ihrem Herzen“ trägt. Kann man eine schönere Beschreibung für einen Christen finden?