Seligsprechung, Bischofsernennung und Praktikum

  • 20. Juni 2011
Noch immer ist es den meisten in Erinnerung: Die großes Seligsprechungsfeier am Pfingstmontag. „Für die Christen in Sachsen ist es ein Jahrtausendereignis“, so der MDR-Rundfunk zur Übertragung der Reliquien der Märtyrer Alojs Andritzki, Bernhard Wensch und Aloys Scholze Anfang Februar. Stellvertretend wurde nun Kaplan Andritzki, ein Priester des Bistums Dresden-Meißen, seliggesprochen. Papst Benedikt XVI. hat das Dekret, das in lateinischer Sprache verfasst wurde und auch in Deutsch und Sorbisch vorgetragen, unterschrieben und dem Präfekten der Selig- und Heiligsprechungskongregation Angelo Kardinal Amato zur Verkündigung übergeben. Am Pfingstmontag wurde Alojs Andritzki auf dem Schloßplatz vor der Dresdner Kathedrale „zu Ehre der Altäre getragen“, so in kirchlichem Jargon. Der junge Kaplan hat sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzt und klare Stellung gegen die menschenverachtenden Ideologien bezogen. Dafür musste der sorbische Priester zunächst in das Gefängnis in Dresden, und wurde, nachdem man seinen Glauben und seine Treue gegenüber Gott und den ihn anvertrauten Menschen nicht brechen konnte, in das KZ Dachau verlegt. Hier lebte er trotz extremen Bedingungen seinen Glauben in Freude und Zuversicht. Als er am 3. Februar 1943 im Krankenlager um die Sterbesakramente bittet, gab man ihm die Giftspritze. So feiert die Kirche von Dresden-Meißen am Jahrestag, an dem Alojs Andritzki „für den Himmel geboren wurde“, nun seinen Gedenktag.

Die Seminargemeinschaft hatte sich auf dieses große Fest vorbereitet und im vergangenen Jahr immer wieder Abschnitte aus dem Leben des jungen Priesters zur Betrachtung und zum Gebet vorgenommen. In dieser Weise auf die Seligsprechung vorbereitet, war es besonders für die Priesteramtskandidaten des Bistums Dresden-Meißen eine große Freude, an der Seligsprechung teilzunehmen. Die vier Alumnen, die in Erfurt studieren, konnten liturgischen Dienste übernehmen und waren so bei dem Gottesdienst, der auch im MDR übertragen wurde, ganz nah dabei.

Nach vielen Vorbereitungen und mehreren Proben im Vorfeld des großen Gottesdienstes war die Feier der große Höhepunkt, unsere Freude auszudrücken, den Glauben zu feiern und Gott Dank zu sagen für seine großen Taten – auch heute, in unserer Zeit, in unserem Bistum. Beeindruckend waren die vielen Menschen aus allen Teilen der Diözese, die vielen Gäste aus den Nachbarbistümern und die Interessierten, die sich in vor den Domstufen versammelten.

Schon kurz nach der Seligsprechung kamen erste Gerüchte auf: der neue Bischof von Görlitz wird noch in dieser Woche bekannt gegeben. Und: es soll unser Regens Wolfgang Ipolt werden. Was die Seminaristen bisher meistens nur zum Spaß gesagt haben (wir erinnern uns an Aprilscherze und an den Fakultätsfasching) sollte nun Realität werden? Im Laufe der Woche verdichteten sich die Hinweise auf verschiedenen Quellen und am Freitag wurde dann bekannt gegeben, dass eine Pressekonferenz mit einer wichtigen Personalentscheidung am Samstag um 12.00 Uhr in Görlitz verkündet wird. Nun waren wir uns sicher, dass auch der Rest der Gerüchte wahr sein muss. Am Samstag punkt Zwölf wurde es ausgesprochen: Domkapitular Wolfang Ipolt, bisher Regens im Interdiözesanen Priesterseminar Erfurt, wird neue Bischof von Görlitz.

Das vergangen Wochenende war, neben der Bischofsernennung in Görlitz, auch so sehr spannend. Am Freitagabend bin ich wieder nach Pirna zum Praktikum gefahren. Zusammen mit Pfr. Büchner haben wir uns nach einem kleinen Abendbrot auf das Stadtfest begeben. An der Bühne am Marktplatz wurde unter Mitwirkung mehrerer Gemeindemitglieder das Theaterstück „Der Retter“ aufgeführt. Es geht hier um die Rettung der Stadt Pirna vor der Zerstörung durch die Schweden. Dabei hat der mutige Jokober sein Leben riskiert um in der Nacht einen Fürbittbrief der Kurfürstin aus Dresden zu holen und die Stadt zu verschonen. Die Kurfürstin hatte Verwandtschaft in Schweden und konnte Einfluss gegenüber dem Hauptmann ausüben, der die Stadt schließlich verschonte. Am Samstag stand das Dekanatsfußballturnier in Heidenau an. „Um des himmlichen Lohnes wegen“, so Pfarrer Büchner am Sonntag in den Vermeldungen, hat die Pirnaer Jugend alles gegnerischen Teams gewinnen lassen … Selbst die engagierten Anfeuerungsversuche des Pfarrers in Bananenkostüm half nichts

Am Nachmittag fand in der Außenstelle Bergießhübel ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Bergmannaufzugs statt. Zusammen mit dem evangelischen Pfarrer hielt Pfarrer Büchner die Andacht auf dem Festgelände.
Schon um 17.00 Uhr folgte der erste Sonntagsgottesdienst in Bergießhübel. Am Sonntagmorgen feierten wir dann die Hl. Messe bereits um 8.30 Uhr in der Klosterkirche, denn um 9.30 Uhr war anlässlich des Stadtfestes in Pirna noch ein ökumenischer Gottesdienst. Für mich war es jetzt vorerst das letzte Mal Ausbildungswochenende in Pirna, denn das Freijahr in Freiburg steht an. Ab Herbst 2012 werde ich dann -so Gott will- wieder in Pirna zum Praktikum kommen können.